Ein Urnenfeld der Bronze- bis Eisenzeit


Das Gräberfeld wurde durch eine Ausgrabung, die A. Kiekebusch Anfang des 20. Jahrhundert für das Märkische Museum durchführte, bekannt. In einem Vortrag über die Grabung vor der Berliner Gesellschaft für Anthropologie stellt Kiekebusch die Bedeutung des Gräberfeldes aufgrund seiner Nutzung über mehr als 1000 Jahre von der Bronzezeit bis zum Ende der vorrömischen Eisenzeit heraus und weist eindrücklich auf die bisherige Zerstörung durch Unwissenheit hin. Zu Hunderten seien die Urnengräber zerstört worden; eine kleine Schilderung finden Sie hier im Original.
Insgesamt 130 Gräber kann Kiekebusch dokumentieren bzw. ausgraben. Sechzehn weitere werden 1921 bei einer Grabung des Museums Heiligengrabe entdeckt. Fritz Horst führt 1960 insgesamt 155 Gräber auf.

Das rechts abgebildete Grab stammt vermutlich aus der Anfangsphase des Gräberfeldes; das Bild ist der Zeitschrift für Ethnologie von 1912 entnommen. Unter der obersten Lage der Steinpackung fand sich ein großes doppelkonisches Gefäß als Urne. Sie war mit einer flachen Steinplatte abgedeckt (unten im Bild). In der Urne stand auf dem Leichenbrand ein kleines Gefäß mit Henkelösen, neben dem als Beigabe eine vollständige bronzene Spiralfibel (auch Spindlersfelder Fibel) lag. Kiekebusch datiert die Fibel in die Periode III der Nordischen Bronzezeit, was etwa 1300 - 1100 v. Chr. entspricht.
Aus einem anderen Grab stammt eine deutlich jüngere Bronzefibel. Die beiden Spiralen sind hier bereits zu Platten geworden, der Bügel ist "raupenförmig" gestaltet (Bild links). Fibeln dieser Art werden in das 11. vorchristliche Jahrhundert datiert und waren weit in Nord- und Mitteleuropa verbreitet; ein schönes Exemplar stammt vom schwedischen Fundplatz "Firse sten" und wurde 2008 ausgegraben. Dieser Raupenbügel taucht in einer noch jüngeren, bereits eisenzeitlichen Form wieder auf (Bild rechts). Heinz Seyer datiert sie in den Zeitraum von etwa 300-100 v. Chr. und wertet sie als Importstück aus dem keltischen Raum, eine sog. Duxer Fibel. In anderen Gräbern gefundene Segelohrringe stammen aus der gleichen Zeit; sie markieren das Ende der Belegungsdauer.

Ein eisenzeitliches Gebäude
Kiekebusch konnte neben den Urnen auch einen Gebäudegrundriss freilegen. Die Methode, nicht nur nach Gegenständen, sondern auch nach Bodenverfärbungen zu suchen, war erst relativ neu entwickelt und brachte das Verständnis von Siedlungsstrukturen enorm weiter.




Links der Hausgrundriss, wie ihn Kiekebusch 1912 in der Zeitschrift für Ethnologie dokumentierte. Beim Anklicken des Bildes gibt es eine Vergrößerung, in der die Hausfläche farblich hervorgehoben ist.

Kiekebusch konnte eine Reihe von rundlichen kleinen Verfärbungen freilegen, die Reste der Holzpfosten eines Hauses mit 5 mal 11 Meter Grundfläche. Eine Konzentration aus, vom Feuer durchgeglühten Steinen zeigt die Herdstelle des Hauses an. Nach den gefundenen Keramikscherben datierte Kiekebusch das Gebäude etwa auf 100 v. Chr.


Links:
Wikipedia zur Fibel