Der Große Burgwall



Der Große Burgwall liegt etwa 5 km östlich der Stadt in der Havelniederung auf einer flachen Sandinsel inmitten der sumpfigen Wiesen eines Naturschutz - Gebietes. Eine Wegbeschreibung von Havelberg aus finden sie hier.
Das Luftbild rechts zeigt beim Anklicken eine Vergrößerung mit Fotos, die den Zustand der Burganlage im Jahr 2011 dokumentieren.
Der Wall ist nur noch in Resten erhalten. Mindestens drei größere Lücken sind vermutlich auf die früheren archäologischen Untersuchungen zurückzuführen. Der nördliche Teil der Anlage ist fast eingebnet, der Südabschnitt ist mit etwa 3 m Höhe noch markant. Der ovale Burgwall misst etwa 100 mal 75 Meter von Wallkrone zu Wallkrone; der Innenraum ist in der Mitte leicht erhöht. Obwohl bereits Anfang des 20. Jh. durch den Archäologen Götze eine Grabung an der Anlage durchgeführt wurde, ist nichts über die Konstruktion des Walls bekannt.

Lesefunde zeigen, dass der Platz bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war. Auch während der Jungbronzezeit wohnten hier Menschen, wie die Keramikfunde etwas nördlich der Wallanlage belegen. Inwieweit die Burganlage in die Bronzezeit datiert, ist unklar. Relativ sicher wissen wir, dass in slawischer Zeit der Platz (wieder?) befestigt wurde; es entstand eine der typischen Niederungsburgen.

Für das Neolithikum gibt es einige Einzelfunde. Eine Wandscherbe zeigt eine charakteristische Verzierung aus Winkelstapeln, die von einem senkrechten Furchenstichband begrenzt werden. Nach Preuß (1980, S. 107) stammt die Scherbe von einer steilwandigen Schüssel, die etwa einen Durchmesser von knapp 40 cm gehabt haben dürfte. Aufgrund der Verzierung lässt sich die Keramikscherbe der altmärkischen Gruppe der Tiefstichkeramik zuordnen, einer jungsteinzeitlichen Kultur aus der Zeit von 3500 bis 3000 v. Chr. Keramik der gleichen Zeitstellung wurde auch auf dem Domberg gefunden und zeigt, das hier in der Jugsteinzeit bereits Bauern siedelten.
Keramik
Neolitische Scherbe vom Großen Burgwall
wie das Gefäß etwa ausgesehen haben könnte, zeigt ein "Klick"
Eine zweite Scherbe, ein Lesefund aus dem Jahr 2011 direkt vom südlichen Wall, ist vermutlich der Kugelamphorenkultur zuzurechnen, die etwa im Zeitraum 3100 bis 2700 v. Chr. in Mittel- und Osteuropa auftrat. Die Scherbe ist mit charakteristischen hängenden Dreiecken verziert, die mit punktförmigen Einstichen gefüllt sind. Der Halsbereich der namensgebenden Kugelamphoren ist oft mit solchen Mustern verziert.
Bereits 1961 wurde auf dem Wallgelände eine Urne dieser Kultur gefunden. Bei einer Exkursion der Oberschule Havelberg entdeckte eine Schülerin ein weitgehend erhaltenes Gefäß mit etwas Leichenbrand. Die Urne konnte vom damaligen Museumsleiter Henschel restauriert werden. Der Leichenbrand wurde analysiert und stammt vermutlich von einem erwachsenem Mann.


Bronzezeit: Nach Götze wurden "nördlich neben dem Großen Burgwall" einige Scherben gefunden, die er als "wahrscheinlich bronzezeitlich" klassifiziert. Entweder lag hier nur eine kleine Siedlung bzw. ein Einzelgehöft oder ein größereres Dorf wurde durch die später hier siedelnden Slawen überprägt. Evtl. ist auch die Wallanlage bronzezeitlich und wurde von den Slawen übernommen und ausgebaut. Die Jungbronzezeit reicht etwa von 1300 bis 600 v. Chr.


Slawenzeit: Mit Abmessungen von 100 mal 75 m ist die Anlage deutlich gößer als der Kleine Burgwall bzw. die ringfömigen Burgen der Lausitz. Am Burgwall wurde mittel- und jungslawische Keramik und eine frühdeutsche Scherbe gefunden. Götze selbst schreibt von verzierten slawischen Scherben, einem Schleifstein und einer viereckigen Metallplatte. Der Archäologe H. Knorr bezieht sich auf einen Katalog der Staatlichen Museen und schreibt:
"Dort hat Götze gegraben und in der oberen Kulturschicht ... neben slawischen gegurteten, mit Wellenlinien und Kerben versehenen auch einen bräunlichen "fränkischen" Scherben gefunden. Dieser entspricht den Funden der Hildagsburg und z.T. denen aus der unteren Schicht von Wolmirstedt, also dem 11. Jahrhundert, was auch die slawischen Scherben bestätigen" (Knorr, 1937, S. 182).
Über slawische Burgwälle wurde im vergangenen Jahrhundert viel geforscht und kontrovers diskutiert. Gedeutet wurden sie sowohl im Zusammenhang mit einer sich ausbildenden Herrschaftsstruktur wie auch als Maßnahme gegen die ständig agressiver werdende Ostpolitik des deutschen Reiches. Die versuchte Zuweisung bestimmter Funktionen zu bestimmten Bautypen erwies sich als nicht schlüssig. Der Havelberger Große Burgwall liegt eingebettet in eine Vielzahl slawischer Siedlungsplätze in der Havelniederung, von denen die meisten durch die Landwirtschaft oder sonstige Eingriffe längst zerstört sind. Die Datierung der Anlage fällt ins 11. und 12. nachchristliche Jahrhundert und scheint damit etwas jünger als der Kleine Burgwall zu sein.


Links:
Wikipedia zur Tiefstichkeramik
Wikipedia zu Slawischen Burgwällen
Wikipedia zur Kugelamphorenkultur