Körpergräber im Stadtgebiet


An mehreren Stellen wurden bei Bauarbeiten Körpergräber entdeckt, die keinem bekannten Friedhof zugeordnet werden können. Bereits 1912 vermerkte A. Götze in seiner archäologischen Bestandsaufnahme der Westprignitz, "auf der Höhe nächst der Stadt dicht am Steilabfall" seien eine Anzahl Skelette beim Straßenbau gefunden worden. Eventuelle Beigaben waren nicht beachtet, allerdings war an mehreren Schädeln im Bereich des Mundes bzw. des Schläfenbeins grüne Verfärbungen beobachten worden. Eine Datierung ins Hoch- bis Spätmittelalter liegt damit nahe.
Die Ortsangabe scheint auf einen Bereich östlich des Domareals hinzudeuten, in dem auch später immer wieder Skelette gefunden wurden. Die Fundpunkte sind in der Karte - einer Preußischen Kartenaufnahme von 1843 - markiert.
Im Dombezirk wurde 1934 am Müllertor ein Skelett gefunden. Der Tote war in Rückenlage und in West-Ost-Orientierung bestattet worden. In der Grabverfüllung fand sich eine größere slawische Scherbe mit Wellenbandverzierung. Aufgrund dieser Scherbe wurde das Grab ins 9./10. Jh. datiert.
Als 1968 südlich davon am Fuß des Dombergs in der Weinbergstraße Erdkabel verlegt wurden, kamen wieder menschliche Knochen zum Vorschein. Neben dem vollständigen Skelett, vermutlich einer jungen Frau, in christlicher West-Ost-Lage, konnten Skelettteile von vier weiteren Personen geborgen werden. Weder Knochenverfärbungen noch mögliche Beigaben sind im Bericht erwähnt.
Etwas östlich außerhalb der Stadt am Weinberg wurde bereits 1952 bei Erdarbeiten ein Skelett entdeckt. Die Lage ist unbekannt, eine bronzene Haarzange und 2 Schläfenringfragmente sind erhalten. Der Corpus, ein Katalog fast aller Fundplätze in der ehemaligen DDR der Slawenzeit, datiert das Grab ins 9.-10. Jh. Möglicherweise überschneidet sich hier ein bronzezeitliches und slawisches Gräberfeld; die Datierung ist deshalb sehr unsicher.
An der Fleethe etwa auf halber Höhe wurden bei der Sanierung der Einfriedungsmauer des Domareals wieder menschliche Knochen freigelegt. Sie waren bereits umgelagert und mit Tierknochen vermischt, deuten aber vermutlich auch in diesem Bereich auf ältere Gräber hin.
Alle diese Bestattungen könnten Teil eines größeren, christlichen Bestattungsareals des Hochmittelalters sein, das in der Phase des Kleinen Burgwalls bzw. der beginnenden Siedlung auf der Stadtinsel genutzt wurde. Mit dem Dombau ist dieser Bestattungsplatz aufgegeben worden; an der Nordseite des Doms entstand der alte Domfriedhof und im Spätmittelalter die Beinhauskapelle (siehe Domareal). 1789 wurde der Neue Domfriedhof außerhalb des Domareals angelegt.
Deutlich jünger sind die Gebeine vom Steintor. Hier, ganz in der Nähe des Steinkreuzes, wurden 1995 bei Erdarbeiten etliche menschliche Knochen ohne Beifunde oder Sargreste festgestellt. Die ca. 300 Knochen, darunter Fragmente von etwa 15 Schädeln, werden als Reste des Berger Kirchhofs gedeutet, der sich vom 15. Jh. bis 1822 an der St. Annen-Kapelle befand. Genauere Informationen zur Kapelle finden Sie auf der Seite "Sakralbauten" der Stadt Havelberg.

Weinberg

Flethe

Am Müllertor

Vor dem Steintor

Weinbergstraße

Alter Domfriedhof
mit Beinhauskapelle
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Neuer Domfriedhof