Die Stadtinsel - Siedlung seit der Slawenzeit




Die Karte zeigt die Stadtinsel von Havelberg etwa um 1790 (weiß). Ergänzt ist die heutige Form (grau), die durch massive Aufschüttungen rings um die Insel an den Ufern entstand. Die roten Punkte zeigen die Lage von Funden aus dem 11./12. Jh., meist typische jungslawische Scherben mit sog. Gurtfurchen. Die blauen Punkte geben die Fundorte von spätmittelalterlicher Keramik, der harten Grauware, aus dem 13./14. Jh. an. Die großen Punkte sind interaktiv.
Die Insel war ursprünglich mit dem Nordufer verbunden und in einer Schleife von der Havel umflossen. Aus dieser Zeit stammt das eisenzeitliche Urnengrab im Bereich des heutigen Salzmarktes (grüner Punkt). Wann mit dem Durchstich an der Nordseite die Insellage entstand, ist unklar. Sicher ist das Gelände aber seit der Slawenzeit besiedelt, wie etliche Keramikfunde in den unteren Kulturschichten belegen; evtl. wurde die Siedlung nach der Aufgabe des "Kleinen Burgwalls" angelegt.
Am Marktplatz wurden bei Sanierungsarbeiten Reste von mindestens 7 Holzhäusern mit Wandlängen von 3 bis 5 m gefunden. Die Häuschen waren in Blockbautechnik erbaut, der Untergrund stellenweise mit Bohlen befestigt. Bei den Bauarbeiten fanden sich in den Kulturschichten auch einige nicht alltägliche Gegenstände. Von der Domstraße in Marktplatznähe stammt eine verzierte Dose aus Geweih, am Marktplatz wurde ein Goldring mit einer Einlage aus blauem Glas gefunden. Beide Stücke datieren in die spätslawische Phase um die Mitte des 12. Jh. und belegen zusammen mit den Häuseren eine dichte, zumindest frühstädtische Besiedlung.
In der Peripherie der Insel waren bislang keine Befunde des 11./12. Jh. festzustellen, dafür lassen sich Belege für die späteren Ausbauphasen der Stadt finden. Am Standort des heutigen Domhotels in der Langen Straße und Uferstraße wurden hölzerne Fundamente und Teile der Holzwände mehrerer Gebäude gefunden, die ins 13.-14. Jh. datieren. In der umgebenden Kulturschicht wurde ein etwa 5 cm großer, wappenförmiger Anhänger aus einer Zinn-Blei-Legierung gefunden, der möglicherweise Teil eines Pferdegeschirrs war.
Aber auch aus späteren Jahrhunderten tauchen bei Bauarbeiten immer wieder spektakuläre Funde auf, wie etwa die 109 holländischen Münzen aus dem 17. Jh. oder die 403 Goldmünzen, welche unter dem Fundament eines ehemaligen Seifensiederhauses in der Domstraße gefunden wurden.
Genauere Informationen zu den Kirchen und Kapellen, u.a. zur Stadtkirche St. Laurentius und zur Hospitalkapelle St. Spiritus auf der Stadtinsel, finden Sie auf der Seite "Sakralbauten" der Stadt Havelberg.

Am Salzmarkt
Beim Ausschachten des Kellers wurde eine Urne mit Leichenbrand gefunden,
die in die ältere Eisenzeit datiert wird.
Ohne weitere Informationen

Marktplatz
slawische Siedlungsschicht

Domstraße am Marktplatz
slawische Geweihdose