Ein bronzezeitlicher Hortfund





Etwa 1,5 km nordwestlich von Jederitz wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ein bronzezeitlicher Schatz gefunden, den der damalige Museumsleiter Dr. Richard Hartwich 1912 erwarb. Die genaue Fundstelle läßt sich nicht mehr nachvollziehen, da in der Literatur sowohl eine Stelle in Ufernähe als auch im Flussbett genannt wird.
Der Schatz - für die Bronzezeit wird üblicherweise der Begriff "Hort" verwendet - besteht aus einer Dose, in der ein kleiner Armring, die Bruchstücke von zwei größeren Armringen und 38 Zierknöpfe, sogenannte Tutuli, lagen. Der kleine Armring ist aus massiver Bronze mit offenen, übergreifenden Enden. Die größeren Armringe waren ornamentiert. In den Ösen der Tutuli sind noch Lederreste erhalten, die darauf hin deuten, dass die Knöpfchen als Gürtelbesatz dienten.
Die Dose ist mit 22 cm Durchmesser relativ groß. Die Wandung ist zylindrisch, zwei rechteckige Henkel erheben sich über den Deckel. Der Boden ist in der Mitte zu einer Spitze ausgezogen, seine Außenseite ist mit verschiedenen Ornamenten flächig verziert.

Aufgrund der Henkel oder Ösen werden Dosen dieser Art als Hängedosen interpretiert, die möglicherweise als Behälter am Gürtel getragen wurden. Dabei zog sich, so die Deutung, der Gürtel durch die beiden rechteckigen Ösen. Die Dose sitzt dann am Gürtel mit dem Boden als verzierte Schauseite nach vorne.
Dosen dieser Art werden im Verlauf der Nordischen Bronzezeit hauptsächlich in Gräbern, meist Frauengräbern gefunden. Sie enthalten Kleingerät und Schmuck und lassen sich als Schmuckbehälter bzw. Geldbörse interpretieren. Später werden die Dosen überwiegend als Horte aufgefunden. Form und Ausführung der Dosen sprechen für eine Entwicklung aus ursprünglich hölzernen Gefäßen.
Die Dose von Jederitz wurde von Waltraut Bohm 1935 genau analysiert und detailliert beschrieben. Demnach datiert die Form die Dose eher in die Periode III, die Ornamentik und auch der Doseninhalt, die Tutuli, erscheinen deutlich jünger und rücken die Datierung in Periode V. Diese entspricht etwa dem Zeitraum von 900-700 v. Chr.; frühestens in dieser Zeit wurde die Dose mit Inhalt bei Jederitz im Boden (oder dem Fluß) deponiert.