Ein Schwert des Hochmittelalters aus der Havel


Das Schwert wurde 1912 zwischen Havelberg und Vehlgast aus der Havel gebaggert. Mit Griff ist die Waffe 93,4 cm lang, der Knauf ist flach pilzförmig mit gewölbter Unterkante, die Parierstange rechteckig und gerade. Form von Klinge, Knauf und Parierstange datieren die Waffe ins Hochmittelalter. Mit dem recht einfach konstruierten Knauf gehört das Havelberger Exemplar zu den Typ X Schwertern und damit zum häufigsten Schwerttyp im Zeitraum des 11. bis 13. Jh. in Mitteleuropa. Zumindest in der ersten Hälfte dieser Phase war Havelberg als slawisches Fürstentum unabhängig vom deutschen Reich. Das Schwert ist Bestandteil der Ausstellung im Prignitzmuseum Havelberg.
Etwa ein Drittel der Schwertfunde im nordwestslawischen Raum stammen aus Gewässern; der Rest verteilt sich auf Gräber und Siedlungen oder Burgen. Nur wenige Kilometer von Havelberg entfernt wurden allein drei vergleichbare Schwerter in Grabanlagen entdeckt; das Schwert aus Kyritz ist verloren, die beiden Schwerter aus Wusterhausen wurden restauriert und sind Teil der Ausstellung im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg/Havel.
Baggerarbeiten in und an Gewässern lieferten etliche bedeutende archäologische Funde. Die Deutung ist nicht immer leicht; der Theorie von Opfergaben in Gewässern steht die profane Deutung als verlorengegangene Gegenstände gegenüber. Bei der Havel als bedeutendem Verkehrsweg auch zur slawischen Zeit, ist wohl eher an einen Schiffsunfall zu denken.


Links:
eine Kartierung hochmittelalterlicher Schwerter im nordostdeutschen Bereich