Eine Steinaxt aus dem jüngeren Neolithikum


Tongruben waren lange Jahre ein Wirtschaftsfaktor der Region. Im Jahr 1956 wurde beim Tonabbau westlich der Stadt in ca. 60 - 70 cm Tiefe eine Steinaxt gefunden, eine sogenannte "jütländische Streitaxt". Waltraut Bohm stellt eine Reihe solcher Äxte der Prignitz vor; sie unterscheiden sich im Detail und sind in verschiedenen Schemata klassifiziert. Gemeinsam ist allen eine zentrale oder nur leicht aus der Mitte verschobene Bohrung und konvexe Seiten zur Stabilisierung der Bohrung. Die Schneide ist mehr oder weniger gerade oder bogenförmig nach unten gezogen. Der Nacken ist entweder rundlich hammerartig, etwas eingekniffen oder zu einer zweiten Schneide geformt. Alle Äxte sind aus Felsgestein geschliffen.
Das 1956 gefundene Exemplar ist hier nicht abgebildet. Die Abbildung stammt leicht verändert aus Bohm, 1937 und zeigt Äxte der Ostprignitz. Aus dem Kreis Havelberg stammen die beiden Äxte 1 und 2. Bei Vehlgast wurde Axt 3 gefunden, eine doppelschneidige Form, bei der Nacken und Schneide nahezu gleich ausgebildet sind. Aus Bad Wilsnack stammt die Axt 4 (Seitenansicht); eine späte Form, die vermutlich schon in den Beginn der Bronzezeit datiert. Der allergrößte Teil dieser Steinäxte wurde (und wird) bei der Feld- oder Gartenarbeit gefunden; genauere Untersuchungen der Fundstellen gibt es kaum.

Äxte dieser Art sind typisch für eine späte Kultur der Jungsteinzeit, die Schnurkeramik oder Einzelgrabkultur genannt wird und die etwa in den Zeitraum von 2700 bis 2000 v. Chr. datiert. Die Kultur war großräumig in Mittel- und Osteuropa verbreitet; der Name stammt von der typischen, mit Schnurabdrücken verzierten Keramik. In den späten Gräbern der Schurkeramiker tauchen erste Kupfergegenstände auf.

Die links abgebildete Steinaxt können Sie im Prignitzmuseum in Havelberg besichtigen (zur Vergrößerung auf das Bild klicken).



Links: - Wikipedia zur Schnurkeramik; Prignitzmuseum Havelberg