Ein mesolithisches Geweihgerät


Bei Havelregulierungsarbeiten wurde um 1930 in einem Altarm der Havel nahe Strodehne ein Stück Hirschgeweih gefunden. Die Bedeutung des Objekts wurde zunächst nicht erkannt. Wie im Fundbericht vermerkt ist, wurde "der Stab [...] nur dadurch gefunden [...], dass dem Aufsichtführenden dieses Stück auffiel, als die Arbeiter es schon als Ziehknebel beim Treideln von Kähnen benutzten". Der Stab ist an der typischen Lochbohrung zerbrochen und daher ist es recht erstaunlich, dass er in seiner Bedeutung überhaupt erkannt wurde. Der in das Mesolithikum (etwa 9500 - 4500 v.Chr.) datierte, damals so genannte „Kommandostab“ wurde umgehend in Berlin und Breslau untersucht und konserviert. Bis heute, so Frau Reichel vom Prignitzmuseum Havelberg, ist er nicht nur das älteste, sondern auch eines der wertvollsten Objekte im Museum.
Das Havelberger Exemplar ist stark beschädigt, insbesondere die Bohrung am linken Ende ist schlecht erkennbar. Zur besseren Vorstellung hier ein vergleichbares Gerät von einer jungpaläolithischen Fundstelle in Frankreich.
Solche Geräte kommen seit ca. 35 000 Jahren vor und wurden in ganz Europa, aber auch in Nordamerika gefunden. Charakteristisch ist die Bohrung und oft flächige ornamentale Verzierungen; als Material wurden Geweihstangen, Knochen und Elfenbein verwendet. Interpretiert werden die Geräte als Repräsentationsobjekt, weswegen sie füher als "Kommandostab" bezeichnet wurden. Weitere Deutungen gehen in Richtung Werkzeug zur Pfeil- oder Speerglättung, Nutzung als Speerschleuder oder als eine Art Maulknebel zum Bändigen von Tieren. Für alle diese Deutungen gibt es Indizien, ein Beweis konnte bislang nicht geführt werden.

Quelle: Abbildungsnachweis
Fundberichte und Akten des Prignitzmuseums Havelberg

Links: - Wikipedia zu den Lochstäben; - Wikipedia zur Mittelsteinzeit