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Ein spätmittelalterlicher Kastenbrunnen in Lübben, Lindenstraße

Die archäologische Begleitung der Bauarbeiten Ende 2012.

Seit Herbst 2012 wird in Lübben die Kreuzung Lindenstraße / Am Spreeufer zu einem Kreisverkehr umgebaut. Das Areal liegt in der Luckauer Vorstadt, einem geschützten Bodendenkmal. Daher werden die Bauarbeiten auf Veranlassung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege archäologisch begleitet; die entstehende Dokumentation und anfallendes Fundmaterial werden später in Wünsdorf am Sitz des Landesamtes ausgewertet.
Neben einigen Fundamenten der alten, randständigen Bebauung von Linden- und Sternstraße, wurde bislang etwa in der Straßenmitte ein weitgehend ungestörter Holzbrunnen freigelegt.

Im Bild rechts ist der Brunnen während der Ausgrabung zu sehen. Erkennbar sind die senkrechten Seitenwände und der quadratische Grundriss. Die hölzernen Bohlen und Pfosten sind nicht mehr erhalten, sondern lediglich als dunkle, humose Spuren sichtbar. Trotzdem lässt sich die Konstruktion noch gut erkennen.
Das unterste Planum liegt auf etwa 2,10 m unter der heutigen Oberfläche. Hier sind nur noch ein quadratischer Holzpfosten und - angedeutet - zwei Holzbohlen zu sehen, die vermutlich mit einer Nut mittig in den Pfosten eingefügt sind. Offensichtlich wurde lediglich das unterste Bohlenrechteck so konstruiert. Die nächste Bohlenlage rückt etwas nach außen und liegt, fixiert durch den Erddruck, an der Außenseite der Posten an. Damit die Konstruktion nicht nach innen kollabierte, mussten die Eckpfosten am oberen Brunnenrand gespreizt werden, evtl. wieder durch Bohlen in einer Nut. Der so entstandene Brunnenschacht hatte einen quadratischen Querschnitt von 1,2 m Seitenlänge.
Wie im Bild gut erkennbar, sind vier sehr unterschiedliche Verfüllungsphasen unterscheidbar.
Die unterste Schicht mit etwa 40 cm Stärke von der Brunnensohle aus, besteht aus feinem Schwemmsand mit Bändern toniger Sedimente und eingelagerten Keramikscherben. Diese Schicht ist während der Nutzung des Brunnen entstanden.
Darüber liegt eine stellenweise bis 20 cm starke, dunkle Schicht aus Lehm, der mit Keramik, Holzkohle und Steinen durchsetzt ist. Spätestens mit dieser Schicht endete die Brunnennutzung; evtl. war aber auch der Brunnen durch die Versandung bereits vorher versiegt. Das Material dieser Schicht dürfte der Kulturschicht am oberen Brunnenrand entsprechen.
Nach oben folgt nun eine recht mächtige Schicht aus Sand, mit dem der verbliebene, aber unbrauchbare Brunnenschacht verfüllt wurde. Auch dieser Sand enthielt wiederum etliche Keramik.
Die oberste Schicht bildet ein kompakter, brauner Lehm ohne Funde, mit dem der Schacht ausgefüllt bzw. evtl. verschlossen wurde.

Die gefundene Keramik aus allen Schichten datiert ins 14. bis 15. Jh. Die meisten Scherben stammen von Kugeltöpfen aus hartgebrannter, grauer Irdenware; zwei Töpfe konnten weitgehend aus dem Fundmaterial rekonstruiert werden. Daneben wurden Fragmente von Topfdeckeln gefunden, darunter ein oxidierend gebranntes Exemplar von hellbraun-rötlicher Farbe. Nur zwei Scherben, im Bild vorne in der Mitte, sind Bruchstücke eines Steinzeuggefäßes und vermutlich Importware. Keramik dieser Art wird Siegburger Steinzeug genannt. Meist handelt es sich um schlanke Krüge mit einem Wellenfuß, die etwa ab Mitte des 14. Jh. im Rheinland produziert wurde.
Erstaunlicherweise stammen die Scherben, mit denen die beiden Kugeltöpfe rekonstruiert werden konnten, aus allen drei Einfüllungsschichten. Als Erklärung bietet sich an, dass die Töpfe an der Brunneneinfassung zu Bruch gingen, ein Teil der Scherben ins Innere fiel und der Rest in den Boden um den Brunnen eingetreten wurde. Beim späteren Verfüllen des Brunnens gelangte auch dieses Material in den Brunnenschacht.

Fotos: U. Bauer
Dieses Werk ist unter der Lizenz CC-BY-SA lizensiert.

Der Brunnen während der Ausgrabung im Profil und auf drei Planumsebenen. Im Bild links ist eine alte Regenwasserleitung aus Steinzeug erkennbar; die Trasse zerstörte den südlichen Teil des Brunnens bis auf ca. 1,60 m Tiefe. Näheres siehe Text.
Keramikfunde aus dem Brunnen. Im Hintergrund zwei weitgehend rekonstruierte Kugeltöpfe, vorne Deckelfragmente und Randscherben. Der größere Teil der Keramik besteht aus hartgebrannter, grauer Irdenware, Ausnahmen sind das Deckelfragment ganz rechts aus brauner Irdenware und die beiden braunen Steinzeugscherben (vorne Mitte), die als Siegburger Keramik bezeichnet werden.
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