Archäologie von Ketzin
Slawen in Ketzin
Ketzin 18, slaw. Gräberfeld
Impressum
Befund 21, Planum 2, schematisierte Feldzeichnung


Befund 21, ein 4-5 jähriges Kind

Archäologie:
Das Grab wurde direkt unter der Hofplanierung festgestellt und wenige Zentimeter tiefer auf Planumshöhe 2 dokumentiert. In der Verfüllung fand sich eine ur- oder frühgeschichtliche Scherbe.
Das Skelett war stark zerstört, ein großer Feldstein lag am Kopfende des Grabes (Abbildung) . Die Orientierung der Grabgrube und der Langknochen war NW-SO, eine Körperhaltung und die Lage der Arme war vor Ort nicht mehr erkennbar. Die anthropologische Untersuchung deutet aber auf eine Bestattung in Bauchlage hin (siehe unten).

Datierung: 9. - 12. Jh.

Anthropologie:
Das Skelett liegt insgesamt nur sehr fragmentarisch vor. Vom Schädel sind Teile des Scheitel-, Stirn- und Hinterhauptsbeins erhalten, von der Halswirbelsäule Reste des 3. sowie der 4. bis 7. Halswirbel. Neben den recht gut erhaltenen Rippen gibt es noch Reste der Schulterblätter, von einem Schlüsselbein, vom linken Ober- und Unterarm, Reste beider Schienbeine und des rechten Oberschenkels.
Die Altersbestimmung erfolgte durch einen Größenvergleichs von Schulterblatt, Ober- und Unterschenkel mit Funden aus dem slawischen Gräberfeld von Sanzkow und ergibt ein Lebensalter von etwa 4 bis 5 Jahren, was auch durch die Verwachsung von Wirbelbögen mit dem Wirbelkörper bestätigt wird.
Bei den Halswirbeln 5 und 6 ist das rechte Foramen processus transversi - ein Querfortsatz, der eine runde Öffnung umschließt - unterteilt (Abbildung) . Diese Öffnungen bilden den sog. Querfortsatzkanal, in dem eine Arterie und ein Nerv verlaufen. Ist der Platz für beide eingeengt, wie bei der Zweiteilung, kann es zu neurologischen Ausfällen kommen.
Ein geteiltes Foramen ist eine Abweichung von der Norm, die weitervererbt wird, ein sogenannter epigenetischer Marker. Eine ähnliche Abweichung tritt im Gräberfeld mit Befund 46A ein zweites Mal auf; eine nahe Verwandtschaft ist hier sehr wahrscheinlich.

Ein Vergleich von Feldzeichnung und anthropologischer Knochenbestimmung (schematische Abbildung) ergibt eine Unstimmigkeit bezüglich des Oberschenkelknochens. Anthropologisch wurde er als rechter Oberschenkel erkannt, im Planum aber auf der linken Körperseite eingezeichnet, was aber durch eine Bauchlage des Körpers erklärt werden kann.