Befund 22, Feldzeichnung, M 1:10, Zeichner U. Bauer
Befund 22, ein 30 bis 34 jähriger Mann
Archäologie:
Das Körpergrab war Nordwest-Südost orientiert, der Körper lag in gestreckte Rückenlage mit den Armen seitlich am Körper.
Der Befund wurde auf Planumshöhe 1 erkannt, nur wenige Zentimeter tiefer auf Planumshöhe 2 dokumentiert und die Knochen geborgen.
Das Skelett war relativ gut erhalten, lediglich der Schädel fehlte. Durch die
aktuellen Bauarbeiten, insbesondere durch die Baggerlast, waren die Knochen jedoch stark fragmentiert.
Der Schädel war vermutlich bei früheren Arbeiten, etwa der Hofplanierung, entnommen worden (Abbildung).
Datierung: 9.-12. Jh.
Anthropologie:
Das Skelett liegt fast vollständig vor. Halswirbel und Schädel fehlen, von letzterem sind lediglich 2 Scheitelbeinreste erhalten. Die Brustwirbelsäule ist bis auf den unteren Abschnitt stark
fragmentiert, die Lendenwirbelsäule und das Kreuzbein sind vorhanden. Der Schultergürtel ist fragmentarisch erhalten; ebenso die oberen Extremitäten, wobei die Oberarme relativ vollständig vorliegen. Beide Beckenhälften sind stark fragmentiert, konnten aber soweit rekonstruiert werden, dass sich Angaben zum Alter und zum Geschlecht machen lassen. Die Oberschenkel liegen komplett vor, von den beiden Schienbeinen fehlen Abschnitte und Reste der Gelenkflächen; an den beiden Wadenbeinen fehlen hingegen die oberen und unteren Knochenenden. Hände und Füße sind insgesamt sehr schlecht überliefert.
Eine Altersbestimmung war aufgrund der Gelenkfläche von linker Beckenschaufel zum Kreuzbein möglich und ergibt ein Sterbealter zwischen 30 und 34 Jahren.
Zehn untersuchte Marker am Becken, die Robustizität von Oberarmen und Oberschenkeln, die deutlich ausgebildeten Muskelansatzmarken an diesen Knochen sowie die Knochengröße insgesamt
sprechen für ein männliches Individuum.
Aufgrund der Werte von Oberarm- und Oberschenkelknochen errechnet sich eine Körpergröße von 170 ± 4,9 cm.
An den Knochen waren verschiedene, dem Alter entsprechende Degenerationen zu beobachten. So traten bei einigen Brustwirbeln an den Gelenkflächen Veränderungen (Facettenasymetrien), bei Brust- und Lendenwirbeln vergrößerte Gelenkflächen auf; beides führt zur Arthrose. Zusätzlich liegen beim 9. und 10. Brustwirbel mit deutlich ausgeprägten Knochenzacken weitere degenerative Veränderungen vor (Abbildung). Eine Veränderung an der unteren Seite des 4. Lendenwirbels dagegen ist wahrscheinlich auf ein Trauma, eine Kompressionsfraktur zurückzuführen.
Abgesehen von der Wirbelsäule ist die linke Elle auffällig. Sie ist in der Mitte stark verdickt (Abbildung), die Markhöhle mit Spongiosa ausgefüllt; Ursache könnte eine Fraktur oder ein Knochentumor (Ewing-Sarkom) sein. Die Randleisten an den Gelenkflächen der inneren und mittleren Fingerknochen sind wiederum Anzeichen für Arthrose, ebenso wie die ausgeprägten Randleisten am rechten und die beginnenden Randleisten am linken Oberschenkelkopf (Abbildung))