Befund 27, Feldzeichnung, M 1:10, Zeichnung A. Ernst
Befund 27, ein 60-70 jähriger Mann
Archäologie:
Das Grab wurde beim Herstellen des Bauplanums erkannt und auf Planumshöhe 1 dokumentiert.
Die Grabgrube deutet sich an, das Skelett ist vollständig, aber stark
fragmentiert. Ober- und Unterkiefer sind weitgehend erhalten. Der Körper lag in gestreckter Rückenlage, die Arme seitlich am Körper, das Grab war Nordwest-Südost orientiert
(Abbildung).
Datierung: 9. - 12. Jh.
Anthropologie:
Das Skelett liegt sehr fragmentiert vor. Der Schädel wurde soweit geklebt, dass eine Altersbestimmung möglich war.
Atlas und Axis liegen vollständig vor, die restlichen Halswirbel fehlen. Von den
Brustwirbeln sind insgesamt sieben Wirbelbogenreste vorhanden; Lendenwirbel fehlen ebenfalls. Schulterblätter und Schlüsselbeine sind vorhanden, ebenso beide Arme. Vom Becken sind nur wenige Reste vorhanden, das Kreuzbein fehlt völlig, beide Beine hingegen sind fast vollständig vorhanden. Die Knochen beider Hände sind
vorhanden, Füße hingegen fehlen völlig.
Das Geschlecht ist recht sicher männlich, die Körpergröße liegt bei ca. 1,70m. Das Sterbealter lag bei etwa 60 bis 70 Jahren.
Verschiedene anatomische und pathologische Besonderheiten fallen auf:
Frontzähne und Prämolare sind stark abgenutzt - besonders auf der rechten seite - aber erhalten, stellenweise tritt Zahnstein auf. Der harte Gaumen weist eine stark poröse Struktur und Knochenleisten auf. Beides
sind Anzeichen einer Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis), die durch mangelnde Mundhygiene entsteht. Die beiden ersten Backenzähne im Unterkiefer sind bereits zu Lebzeiten ausgefallen. Vom 3. Molaren links
und vom 2. Molaren rechts sind nur noch die Wurzelstümpfe erkennbar. Die Kronen dieser Zähne sind durch Karies vollständig zerstört worden (Abbildung). Die anderen Backenzähnen sind ebenfalls kariös, aber weniger gravierend. Sowohl an den Zähnen im Ober- als auch im Unterkiefer lassen sich Veränderungen im Zahnschmelz (transversale
Schmelzhypoplasien) feststellen, die etwa im 3./4. Lebensjahr entstanden sind. Sie zeigen ernährungsbedingten Stress an und stehen wohl im Zusammenhang mit dem Abstillen.
Am ersten Halswirbel (Atlas) ist das Kopfgelenk nach unten und zu den Seiten hin vergrößert und
zeigt eine deutliche Randsklerose (Abbildung). Entsprechend ist auch beim zweiten Halswirbel (Axis) der Teil des Kopfgelenkes vergrößert. An einem Brustmuskel sind arthritische Veränderungen sichtbar. Im Bereich der Schulter und Oberarme sind die Muskelansatzmarke recht deutlich ausgebildet.