Archäologie von Ketzin
Slawen in Ketzin
Ketzin 18, slaw. Gräberfeld
Impressum
Befunde 31, 31A, 38, 38A, Feldzeichnungen, M 1:10, Zeichnung A. Ernst, U. Bauer


Die Befunde 31, 38 und 38A

Archäologie:
Die Befunde wurden auf Planumshöhe 1 als größere, unregelmäßige Grube erkannt. Auf Planum 2 waren 3 Gräber differenzierbar, das vollständige Grab 38, das danebenliegende gestörte Grab 38A und Grab 44 in der Verlängerung des Kopfendes von 38. Nach der Dokumentation und Bergung von 38 wurde ca. 20cm tiefer auf Planumshöhe 3 das teilzerstörte Grab 31 sichtbar.
Direkt neben den Grabbefunden wurden zwei runde Pfostenlöcher (Befunde 43-7 und 43-8) festgestellt, ein Zusammenhang zu den Gräbern ist unklar. Aus der Verfüllung zwischen Planum 1 und 2 stammen ein Fragment einer Silexklinge und 3 urgeschichtliche Wandscherben, dazu 23 Knochenfragmente und 2 Zähne; ein Zuordnung zu 38 oder 38A ist nicht sicher.

Befund 38 ist ein vollständig erfasstes Körpergrab. Das Skelett war bei der Dokumentation gut erhalten, der Körper lag in gestreckter Rückenlage, die Hände seitlich neben dem Becken. Über dem rechten Sprunggelenk lagen eine kleine Ansammlung von Tierknochen. Die Orientierung war Nordwest - Südost (Abbildung).
Beim Bearbeiten der Knochen wurde im trockenen lehmigen Sand zwei kleine Eisenobjekte gefunden, die aus dem direkten Zusammenhang zum Skelett 38 stammen, aber keinem Körperareal mehr zuzuordnen sind. Die Objekte sind amorph, korrodiert, magnetisch und wiegen 4,0 g bzw. 1,7 g (Abbildung).

Befund 38 A lag etwa auf einer Ebene mit 38 und war weitgehend zerstört. Das Skelett wurde sicher durch die Anlage von Grab 38 und vermutlich schon bei der Bestattung von 31 zerstört (s.u.). Lediglich Unterschenkel und Füße lagen in situ. Soweit erkennbar lag der Tote in gestreckter Rückenlage, das Grab war in NW-SO Richtung orientiert, allerdings weiter zur Nord-Süd-Richtung als Bef. 38 und alle anderen Gräber. Ein rechter Ober- und Unterarmknochen vom tieferliegenden Planum 3 (und dort als 31A dokumentiert) gehört mit aller Wahrscheinlichkeit zu Bef. 38A. Der Verbleib von Oberkörper und Schädel bleibt unklar.

Befund 31 ist ein, durch Befund 44 im Bereich des Schädels gestörtes Körpergrab. Der Befund liegt weitgehend unter Befund 38, die Armknochen und der Unterkörper waren in situ, aber schlecht erhalten. Ein sehr gut erhaltener Wirbel ist vermutlich verlagert und stammt evtl. von Bef 38. Die Bestattung lag in gestreckter Rückenlage in NW-SO Ausrichtung (Abbildung). Unter dem Skelett im Bereich von Oberkörper bis Becken lag ein versteinertes Belemnit-Fragment; eine Zugehörigkeit zum Befund ist nicht zweifelsfrei.
In der Verfüllung zwischen Pl. 2 und 3 fanden sich einige verlagerte Knochen, die vermutlich anthropologisch den Skeletten 31 oder 38 zugeordnet werden können und gesondert inventarisiert wurden.


Datierung: 9. - 12. Jh.

Anthropologie:
Befund 38A:
Die Knochen gehören zu einer gestörten Körperbestattung, bei der nur noch der untere Teil erhalten ist; Rumpf, obere Extremitäten und Schädel fehlen. Die Knochenoberfläche an den Langknochen ist stark abgewittert, an den Fußknochen ist der Erhaltungszustand deutlich besser.
Da die für eine Altersbestimmung relevanten Skelettabschnitte (Schädel, Becken, Epiphysen) nicht vorhanden sind, kann lediglich aufgrund der Knochengröße auf ein Alter von spätjugendlich bis erwachsen geschlossen werden.
Die Knochen erscheinen insgesamt sehr groß und robust, was als Hinweis auf ein männliches Geschlecht gewertet werden kann.

Befund 31:
Schädel, Wirbel (bis auf einen Lendenwirbelrest) und Rippen sind nicht überliefert. Vom Schultergürtel mit den oberen Extremitäten liegen Reste des linken Schulterblatts und Schlüsselbeins, die Diaphysen beider Oberarme sowie die Diaphyse einer Speiche (Seite nicht mehr bestimmbar) vor. Beckenreste und ein Kreuzbeinfragment sind vorhanden, ebenso beide Beine und die rechten Fußknochen.
Da die Knochen ausgesprochen grazil sind, könnte es sich eher um eine Frau handeln, die älter als 18 Jahre war, da die körperferne Epiphyse des Schienbeins bereits mit der Diaphyse verwachsen ist.

Zur zeitlichen Abfolge der Befunde:
Aufgrund der Stratigraphie können wir annehmen, dass Befund 38A die älteste Bestattung dieses Befundkomplexes ist, daher wohl auch die etwas abweichende Orientierung. Später wurde die Grabgrube von 31 zuerst vermutlich deutlich breiter angelegt und dabei das Skelett 38A teilweise zerstört. Der Körper von 31 wurde dann etwas seitlich von 38A und etwas tiefer beerdigt. Als nächstes wurde ein kleines Kind in Grab 44 bestattet und dabei vermutlich Schädel und Oberkörper von 31 stark beschädigt und entfernt. Bei der Beerdigung von 38 etwas versetzt über 31 wurde wiederum 44 im Bereich der Füße und Grab 38A am Becken gestört.
Üblicherweise werden Knochen, die beim Ausheben eines Grabes gefunden werden, nach der Bestattung beim Verfüllen wieder mit in die Grube gegeben. Da diese oberen Bodenschichten nicht erhalten waren, fehlen diese Knochen und die Skelette können nicht vollständig rekonstruiert werden.