Archäologie von Ketzin
Slawen in Ketzin
Ketzin 18, slaw. Gräberfeld
Impressum

Befunde 33, 33A und 33B, Feldzeichnungen, M 1:10, Zeichnung A. Ernst


Befund 33, eine 25-35 jährige, vermutlich männliche Person als Nachbestattung in einem älteren Grab

Archäologie:
Der Befund ist zusammen mit den Gräbern 52 und 54 Teil eines größeren Komplexes. Befund 52 liegt wenig nordöstlich nur einige Zentimeter höher. Es war nicht feststellbar, ob die Gräber zeitgleich angelegt wurden oder welches älter bzw. jünger war. Grab 54 scheint jünger als 33 zu sein, da vermutlich bei dieser Beerdigung die Unterschenkel von 33 zerstört wurden.
Befund 33 wurde auf Planumshöhe 1 festgestellt und auf Planumshöhe 2 dokumentiert. Vom Pl. 1 stammen 8 kleinere Knochen bzw. Splitter, in der Verfüllung fand sich etwas ur- oder frühgeschichtliche Keramik und drei Silexartefakte. Die Grabgrube von 33 war sehr groß; der Körper lag in der Mitte, seitlich am Rand der Grabgrube waren die Reste einer oder mehrerer älterer Bestattungen deponiert (Befund 33A nördlich und B südlich). Abgesehen vom Fehlen der Unterschenkel und Füße war 33 ungestört, aber sehr schlecht erhalten (Abbildung). Trotzdem ist auch hier eine gestreckte Rückenlage feststellbar, die Arme lagen vermutlich seitlich neben dem Körper.
Die Knochen von 33, 33A und 33B wurden getrennt geborgen, beim Säubern aber 33 und 33B vermischt, so dass lediglich zwei anthropologische Untersuchungen möglich waren.

Datierung: 9. - 12. Jh.

Anthropologie:
Befund 33/33B:
Diese Bestattung liegt nur sehr fragmentarisch überliefert vor. Die Knochenerhaltung ist überwiegend schlecht, die Knochenoberfläche ist so stark verwittert, dass eine detaillierte Untersuchung nicht durchgeführt werden konnte. Vom Schädel sind nur Reste erhalten, ebenso von den Wirbeln. Beide oberen Extremitäten sind durch Ober- und Unterarm repräsentiert, von den unteren Extremitäten liegen nur die Oberschenkel vor. Insgesamt gibt es vier Oberschenkel, von denen ein linker relativ sicher dem Skelett zugewiesen werden kann. Eine Altersbestimmung war lediglich aufgrund der Zahnabrasion möglich, da die Schädelnähte unzureichend erhalten waren, und deutet auf ein Sterbealter zwischen 25 und 35 Jahren hin.
Beide Beckenhälften sind so schlecht erhalten, dass eine Geschlechtsanalyse nicht sinnvoll erscheint. Bestenfalls ein schwacher Hinweis auf ein männliches Geschlecht ist die Form einer Knocheneinkerbung am Hüftbein (Incisura ischiadica major).

Zusätzlich zu diesen Erwachsenenknochen gibt es Schädelreste von einem etwa 12 Wochen alten Foetus (Abbildung).

Anatomisch bemerkenswert sind die insgesamt sehr grazilen Armknochen. Pathologische Veränderungen sind Fehlstellungen von Schneide- und Eckzähnen, Zahnsteinbildung und Veränderungen der linken Hüfte. Die Gelenkpfanne des linken Hüftbeins ist deutlich vergrößert, zum Randbereich hin ist die Oberfläche stark aufgeraut, bucklig und weist kleine Lochdefekte auf (Abbildung).
Entsprechend zeigt auch der Oberschenkelkopf (Caput femoris) extreme pathologische Veränderungen im Sinne einer Schenkelkopfnekrose, einem langsamen Absterben des Knochens. Eine mögliche Ursache für den Gesamtbefund könnte ein Sturz mit Luxation sein. Auf dem Caput femoris ist eine tiefe Rille erkennbar, die vielleicht von Sehen oder Bändern stammen könnte, die den Knochen umwuchert haben (Abbildung). Denkbar ist, dass sich das Individuum aufgrund dieser Verletzung sehr schonte und deshalb die beiden Arme so ungewöhnlich grazil blieben.

Befund 33A
Ob die wenigen gefundenen Skelettreste (Schädel ohne Unterkiefer, 1 Eckzahn, 1 Lendenwirbel, die linke obere Extremität mit Schulter, Schlüsselbein, Oberarm und Speiche, das rechte Waden- und das linke Schienbein) zu einem Individuum gehört haben, kann nicht endgültig entscheiden werden, erscheint aber durchaus möglich. Die Knochenerhaltung ist leidlich gut, die Knochenoberfläche angewittert.
Die Altersbestimmung erfolgte mit 6 unterschiedlichen Methoden und ergab eine Gesamteinschätzung des Lebensalters von 20 bis 30 Jahren, eine Geschlechtsbestimmung war nicht möglich.
Als anatomische Besonderheit fallen zwei Nahtknochen - kleine Schädelknochen, die keinem der großen Knochen zugeordnet werden können, weil sie beidseits von Schädelnähten umschlossen sind - an der rechten Seite der Lambdnaht auf (Abbildung).
Pathologische Veränderungen sind zarte Gefäßeindrücke an beiden Schläfenbeinen, die evtl. auf eine chronische Knocheneiterung, eine Form der chronischen Mittelohrentzündung zurückzuführen sind. In beiden Augenhöhlen kann eine stark poröse Oberfläche festgestellt werden (Abbildung). Hierbei handelt es sich um eine Cribra orbitalis als Resultat einer Mangelernährung. Auf mangelnde Mundhygiene deuten die leicht poröse Oberfläche sowie zarte Knochenleisten am harten Gaumen, beides Anzeichen einer Entzündung der Mundschleimhaut, hin.