Befund 46A, Feldzeichnung, M 1:10, Zeichner U. Bauer
Befund 46A, eine 20-25 jährige Frau
Archäologie:
Der Befund wurde auf Planumshöhe 1 als große, längliche Grube mit unklarer Ausdehnung nach
Westen dokumentiert. Auf den tieferen Plana teilte sich die Verfärbung in Grab 46A, den unklaren
Befund 46B und einige verlagerten Knochen. Auf Planumshöhe 1 wurden 19 Knochen bzw. Fragmente, zwischen Planum 1 und 2 eine ur- oder frühgeschichtliche Wandscherbe geborgen.
Befund 46 A ist ein vollständig erfasstes Körpergrab, am Schädel gestört, sonst recht gut erhalten. Der Körper lag in gestreckter Rückenlage in NW-SO-Richtung, die Unterarme vermutlich ausgestreckt neben dem Körper,
scheinen aber leicht gestört. Die Fingerknochen befanden sich jeweils neben dem Becken.
Auf Planumshöhe 3 wurde das, bis auf den Schädel vollständige Skelett dokumentiert und geborgen (Abbildung). Aus dem an den Knochen anhaftenden lehmigen Sand
wurden etliche Kleinstfragmente ausgeschlämmt.
Aus der anthropologischen Untersuchung geht eine mögliche Verwandschaft mit dem 4-5 jährigen Kind aus Befund 21 hervor.
Anthropologie:
Dieses Skelett liegt bis auf den Schädel vollständig vor. Die Knochenerhaltung ist gut, auch die Knochenoberfläche ist nicht abgewittert.
Eine Altersbestimmung wurde anhand des Schlüsselbeins, des Beckens und der Zähne im vorhandenen Unterkiefer vorgenommen. Das Schlüsselbein deutet auf ein Alter zwischen 18 und 20 Jahren hin, das Relief der Schambeinsymphyse entspricht einem Alter von 20-21 Jahren. Die Facies auricularis - die Fläche zwischen Beckenschaufel und Kreuzbein - weist auf ein Alter von 20-24 Jahren hin. Auch die geringe Zahnabrasion spricht für ein frühadultes Alter.
Zur Geschlechtsbestimmung wurden am Unterkiefer fünf, am Becken zehn Marker untersucht und eine metrische Diagnose durchgeführt. Alle Untersuchungen sprechen für ein weibliches Geschlecht.
Die Körperhöhe wurde auf vier unterschiedliche Arten bestimmt und liegt im Bereich von 150 bis 160 cm.
Anatomische und pathologische Besonderheiten betreffen die Zähne, Wirbel und das linke Elbogengelenk, in dem der Oberarmknochen perforiert ist.
An den Zähnen lässt sich ein geringer Zahnsteinbefall feststellen. Der linke Eckzahn besitzt zwei Wurzeln (Abbildung).
Bei den Wirbeln sind die Lenden- und Halswirbel bemerkenswert. Am dritten Lendenwirbel ist am linken vorderen Rand eine leichte Randzacke erkennbar. Am 4. Lendenwirbel, also am Übergang zum Kreuzbein, ist auf der rechten Seite
ein großer Osteophyt - eine degenerative Knochenveränderung - sichtbar. Dieser ist nach oben gerichtet und dürfte den darüber liegenden Wirbel berührt haben (Abbildung). Da die übrige Wirbelsäule praktisch keine Degenerationserscheinungen aufweist und es sich um ein junges Individuum handelt, könnte die Ursache vielleicht in einer Verletzung zu suchen sein.
Am 6. und 7. Halswirbel ist das Foramen processus transversi auf der linken Seite zweigeteilt, beim 7. vermutlich auch das rechte (Abbildung). Als Foramen proc. tr. wird eine runde Öffnung im Querfortsatz am Halswirbel bezeichnet, die den sog. Querfortsatzkanal bildet, in dem eine Arterie und ein Nerv verlaufen. Ist der Platz für beide eingeengt, wie bei der Zweiteilung, kann es zu neurologischen Ausfällen kommen. Ein geteiltes Foramen ist eine Abweichung von der Norm, die weitervererbt wird, ein sogenannter epigenetischer Marker. Dieser Befund taucht mit Befund 21 ein zweites Mal im Gräberfeld auf; eine nahe Verwandtschaft ist hier sehr wahrscheinlich.