Befund 48, 48A, Feldzeichnung, M 1:10, Zeichner A. Ernst
Befund 48, ein 30-34 jähriger Mann
Archäologie:
Befund 48
Das Körpergrab wurde bei den Baggerarbeiten im Schädelbereich zerstört und vermutlich
einige Knochen verschoben. Ein Teil der Schädelknochen wurde aus dem Abraum geborgen und gesondert inventarisiert. Befund 48 lag über Befund 48A.
Grabgrube und Skelett waren NW-SO orientiert,
der Körper lag in gestreckter Rückenlage, der rechte Arm seitlich neben dem Körper, der linke
war etwas verlagert. Über der rechten Körperseite im Bereich Brust bis Becken war der Sand der
Grabverfüllung mit vielen Eierschalenstückchen durchsetzt (Abbildung). Ein Großteil konnte geborgen bzw. ausgeschlämmt werden und wog nach Trocknung insgesamt 13,3 g. Zum Vergleich, die abgetrocknete
Schale eines modernen Bioeis wiegt 6,0 - 6,5 g. Beidseitig neben dem Becken und im Schritt lagen 3
Eisenobjekte; bei einem Vierten ist die genaue Lage nicht mehr rekonstruierbar (Abbildung).
Ansonsten fanden sich in der Grabverfüllung einige verlagerte Knochen, u.a. ein Unterkiefer, die
evtl. dem Befund 48A zugeschrieben werden können; daneben eine slawische sowie mehrere neuzeitliche
Scherben und ein modernes Blumentopffragment (Abbildung).
Die Lage der Eierschalenstückchen, zumindest eines Eisenfragments und mancher Knochen lassen auch an eine ältere Störung oder verschiedene Störungen durch Tiergänge denken. Durch die NZ-Keramik ist belegt, dass keine saubere Trennung von Grabverfüllung und Deckschicht vorliegt.
Befund 48A war ein durch Grab 48 fast vollständig zerstörtes Körpergrab. Die Grabgrube wurde lediglich als weit über das Fußende von 48 hinausreichende Grabgrube auf Planumshöhe 1 dokumentiert. Erst beim Entnehmen von Skeltt 48 wurden geringfügig tiefer die Fußknochen 48A entdeckt, Lage und Orientierung waren nicht erkennbar. Aufgrund der Befundsituation ist aber die
übliche NW-SO-Orientierung und eine gestreckte Rückenlage anzunehmen.
Datierung: 9. - 12. Jh.
Anthropologie:
Befund 48
Die Knochenerhaltung ist sehr gut, allerdings ist das Skelett nicht vollständig. Vom Schädel liegt die rechte Hälfte vor sowie die rechte Unterkieferseite und einige lose Zähne; aus dem Abraum geborgene Schädelreste passen zum Schädel (Parietale rechts und Occipitale) und ergänzen die rechte Seite. Das Rumpfskelett mit Wirbeln und Rippen sowie obere und untere Extremitäten liegen komplett vor, es fehlen Teile der Hände und Füße.
Eine Altersbestimmung wurde aufgrund von Beckenmerkmalen (Facies auricularis) durchgeführt und erbrachte ein Sterbealter zwischen 30 und 34 Jahren.
Die Marker an Becken und Schädel deuten auf ein männliches Individuum hin.
Aus den Werten der Extremitätenknochen ergibt sich eine Körpergröße von 163 bis 167 cm.
Verschiedene anatomische und pathologische Besonderheiten sind erwähnenswert:
Im Oberkiefer (Maxilla) ist am 2. Prämolaren die Krone fast vollständig durch Karies zerstört.
Im Unterkiefer ist der erste Molar rechts bereits zu Lebzeiten ausgefallen, vermutlich aber nicht
allzu lange vor dem Tod, da die Alveole noch nicht vollständig geschlossen ist. Beim zweiten Molaren ist die Krone durch Karies nahezu vollkommen zerstört, durch eindringende Bakterien kam es anschließend zu einem Wurzelabszess (Abbildung).
Vom 8. bis zum 10. Brustwirbel lassen sich beginnende, degenerative Veränderungen feststellen.
Am 11. und 12. Brustwirbel haben sich Osteophyten ausgebildet und erreichen eine Größe von etwa 3 mm. Hier
sind auch die Wirbelbogengelenke betroffen und weisen eine Spondylarthrose auf. An der Lendenwirbelsäule kann ebenfalls eine pathologische Veränderung festgestellt werden. Die Deck- und Bodenplatten zeigen eine feinporöse Oberfläche. Dieser Befund wird als Osteochondrosis intervertebralis bezeichnet.
Die Muskelansatzmarken sind an beiden Armen und den Oberschenkelknochen (Linea aspera) deutlich ausgebildet.
Der rechte Femur und die rechte Tibis sind jeweils um 1 cm kürzer als auf der linken Seite.