Befund 52, Feldzeichnung, M 1:10, Zeichnung A. Ernst
Befund 52, eine 50-60 jährige Frau
Archäologie:
Der Befund wurde auf Planumshöhe 1 als große Verfärbung erkannt und zusammen mit Bef. 33 auf
Planumshöhe 2 dokumentiert (Abbildung). Zwischen Planum 1 und 2 fand sich eine rillenverzierte Wandscherbe.
Das Körpergrab war vollständig, es lag direkt nördlich von Befund 33 etwa 9 cm höher, bei der Dokumentation waren die Grabgruben nicht differenzierbar. Erst beim Bergen der Knochen von Befund 33 zeigte sich eine klare Befundgrenze. Die Knochen sind mäßig gut erhalten. Am Unterkiefer fand sich an der linken Seite ein massiver Schläfenring (Abbildung). Die Tote war in gestreckter Rückenlage und in NW-SO Orientierung bestattet, die Unterarme leicht angewinkelt, die Hände lagen vermutlich auf dem Becken.
Der Schläfenring (Abbildung) ist leicht oval mit einem Durchmesser von 16 bzw. 19mm, die Drahtdicke liegt bei 2mm, das Gewicht bei 0,7g. Ein Ende ist schleifenförmig umgeschlagen, das Material ist vermutlich Silber oder eine Silberlegierung.
Datierung: 9. - 12. Jh.
Anthropologie:
Mit Bef. 52 liegt ein vollständiges Körpergrab vor, das jedoch nur sehr fragmentarisch überliefert ist. Die Knochenoberfläche ist teilweise sehr stark angewittert. Von der Wirbelsäule sind Reste von vier Lendenwirbeln sowie weitere Reste von Brustwirbeln vorhanden, außerdem einige Rippenfragmente. Die oberen Extremitäten sind vorhanden, allerdings stark fragmentiert, ebenso die unteren Extremitäten.
Aufgrund der starken Fragmentierung ist eine Altersbestimmung anhand der Schädelnähte nicht möglich. Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass das Nahtmuster der Lambdanaht sehr kompliziert ist. An einigen Stellen scheint diese Naht aber bereits geschlossen zu sein, was auf ein matures bzw. seniles Alter schließen lässt. Die Facies auricularis, die Gelenkfläche zwischen Becken und Kreuzbein, deutet auf ein Alter von 50-59 Jahren hin.
Die Marker an Schädel und Becken sprechen für eine Frau. Die Langknochen sind insgesamt sehr grazil und weisen kaum Muskelansatzmarken auf. Auch dies sind Anzeichen für ein weibliches Geschlecht.
Die Messwerte von rechtem Ober- und Unterschenkelknochen deuten auf eine Körpergröße zwischen 150 und 155 cm hin.
Die Zähne sind altersgemäß stark abgekaut, bemerkenswert ist aber, dass noch relativ viele Zähne im Kiefer vorhanden sind, wenn auch mit starkem Zahnstein. Bereits zu Lebzeiten sind die beiden zweiten Prämolaren ausgefallen, die dritten Molaren (Weisheitszähne) waren vermutlich nicht angelegt. Der erste Backenzahn rechts ist nur noch in Fragmenten vorhanden und kann
deshalb nicht beurteilt werden. Der Alveolarrand ist bei diesem Zahn porös, eine Entzündung an
der Wurzel verursachte einen Abzess
(Abbildung).