Archäologie von Ketzin
Slawen in Ketzin
Münze von EADRED, Silber

Vorderseite (links) mit EADRED REX und einem kleinen Kreuz im Feld.
Eadred war von 946 bis 955 n. Chr. König in England und führte den Titel
"König der Engländer, Northumbrier, Heiden und Briten".
Münze von ODO, Silber

Die Münze zeigt im Feld den Namen ODO zwischen zwei Kreuzen, auf der
Rückseite um ein Kreuz den Ortsnamen LIMOVICAS, das heutige Limoges.

Odo von Paris war von 888 - 896 n. Chr. König des Westfrankenreiches und
leitete den Dynastiewechsel von Karolingern zu Kapetingern ein.
Münze von Nasr (II.) ibn Ahmed, "der Glückliche", Prägung aus Samarkand, Silber.

Nasr II. aus der Samanidendynastie beherrschte von 913-943 n. Chr. ein Reich in Mittelasien von Indien bis Iran,
das als Handelsdrehscheibe zwischen Ost und West die Warenströme zwischen China und Indien bis
Schweden und Westeuropa kontrollierte. Samanidische Silbermünzen waren zu Hundertausenden in Europa im Umlauf.
Die abgebildeten Münzen sind Beispiele der jeweiligen Prägungen und nicht die Originale aus Paretz. Beim Anfassen mit der Maus gibt es weitere Informationen (Zeichnung U. Bauer).
Paretz - ein slawenzeitlicher Münzschatz


(Fundplatz Paretz 5)

Beim Pflügen wurde 1882 ein kleines graues Keramikgefäß freigelegt, das mit einem Stein abgedeckt war und einen Silberschatz aus über 40 Münzen und hunderten kleiner Münz- und Schmuckfragmenten enthielt.
Neben Münzen des deutschen Reichs aus
  • Kölln, Mainz, Speyer, Metz (jeweils Otto I)
  • Basel (Konrad v. Burgund)
  • Augsburg (Bischof Udalrich)
  • Regensburg (Herzog Heinrich I)
waren Stücke aus
  • Pavia (Hugo und Lothar / Berengar II / Otto I und II)
  • Mailand (Otto I und II)
  • Rom (Papst Johannes XIII)
  • Frankreich (König Odo)
  • England (König Eadred)
sowie einige Sachsenpfennige und Stücke aus dem arabischen Raum enthalten.
Von letzteren konnten Prägungen des Chalif al Muqtadir, des Chalif er Radi billah aus Basra und des Nasr ibn Ahmed aus Samarkand identifiziert werden. Zusammen mit den vollständigen Münzen fanden sich etliche Fragmente, einige verzierte Bestandteile von Silberschmuck und Barrenbruchstücke. Aufgrund der Prägungen ist eine Deponierung im Zeitraum von 965 bis 973 anzunehmen.

Im Jahr 1930 wurden beim Tiefpflügen Reste einer mittel- bis jungslawischen Siedlung entdeckt. Eine etwas größere schwarze Verfärbung im Boden wurde bei eine Sondage angeschnitten und reichlich mittelslawische Keramik gefunden.

Quelle:
Julius Friedländer, 1882, Zeitschrift für Numismatik Bd. 9, S. 289-295, der Artikel ist online einsehbar.